
Berlin, Friedrichshain. Dienstagabend. Die Diskokugel dreht sich langsam und lässt silberne Reflexe über die Gesichter einer Gruppe von Erwachsenen tanzen, die im Kreis stehen und schnaubende Geräusche von sich geben.
Gesichtsgymnastik in der Monster Karaoke
In der Mitte des Kreises steht Lyndsey mit ihrer Gitarre. Fröhlich und voller Elan dirigiert sie uns vom Schnauben, zum Summen, zum Trällern. Luise und ich sind im Berliner Pop Choir gelandet. Jeden Dienstagabend treffen sich in der Monster Karaoke Bar Singwütige, die unter Lyndseys Anleitung Liebespoplieder einstudieren.
Wir befinden uns noch in der Einstimmphase. Bevor es richtig losgeht, müssen erst mal sämltliche Gesischtsmuskeln gelockert werden. Tatsächlich merke ich, wie ich mich langsam entspanne und gute Laune in mir hochkriecht.
“Now, get together in groups: Soprano, Alto and Tenor.” Ich bin unschlüssig, was bin ich denn nun? “I think you got a high voice, join the sopranos”. Lyndsey nimmt mir die Entscheidung ab.
Musikalische Gleichberechtigung aus England
In England hat fast jedes Dorf einen Chor. Die sogenannten Community Chors zeichnen sich dadurch aus, dass jeder mitmachen darf, egal ob er singen kann oder nicht. Auch muss man sich nicht gleich für einen bestimmten Zeitraum verpflichten. Jeder nimmt teil wie er kann und möchte. Dieses Prinzip hat Lyndsey aus ihrer Heimat mitgebracht und den ersten Community Chors Berlin gegründet.
Ihre Idee kommt an, ca. 40 Männer und Frauen singen mit uns an diesem Dienstagabend und weil der Andrang so groß ist, gibt es noch eine zweite Gruppe die sich am Mittwoch trifft.

Lady Gaga statt Yoga
Dann geht es los, Bad Romance von Lady Gaga ist das erste Lied. Wir wurden unterteilt in drei Stimmen, Hintergrundmusik gibt es keine, nur Lyndsey und ihre Gitarre. Mal singt sie bei den Tenören mit, mal bei uns, mal bei den Alt-Stimmen.
Ob Lyndseys Aussage stimmt, dass jeder singen kann weiß ich nicht. Manche Töne scheinen für mich unerreichbar. Damit, dass man nicht schlecht gelaunt sein kann während man singt, hat Lyndsey jedoch recht. Anders als beim Yoga muss ich mir nicht Mühe geben Alltag und Stress aus meinen Gedanken zu verbannen. Die nächsten 1 1/2 Stunden hat nur Musik Platz in meinem Kopf.
Plötzlich und viel zu schnell ist alles vorbei. Leise vor uns hinträllernd machen Luise und ich uns auf dem Weg zum Drive Now Auto. Blitze zucken, der nächste Regenguß steht bevor, aber auch das kann uns nicht die Laune verderben. Wenn es diesen Sommer schon keine Sonne gibt, dann ab heute wenigstens mehr Musik in meinem Leben.
Infos zu Love singing with the Berlin Pop Choir:
Der Kurs ist buchbar über gidsy.com
Kosten: 7 Euro pro Person
Dauer: ca. 1,5 Stunden
Teilnehmer: min. 1 – max. 50
Findet jeden Dienstag statt…alles weitere auf berlinpopchoir.de.
