Buchbinden – ein Nachmitag à la Jane Austen

Berlin für Erlebnishungrige

Berlin, Prenzlauer Berg. “Kommt rein und fühlt euch wie zuhause. Ich lüfte mal eben, denn es riecht nach nassem Hund!“ Mit diesen Worten heißt Gosia aus Australien ihre Gäste willkommen.

Im Wohnzimmer liegen Scheren, Geschenkpapier, bunte Bänder, farbige Kartons und viel weißes Papier auf dem Boden verteilt. Buchbinden steht an diesem verregneten Berliner Samstag auf dem Programm. Gosia ist Lehrerin und kann auch außerhalb der Schulzeit nicht genug davon bekommen, andere Leute an ihrem Wissen teilhaben zu lassen. “Ich liebe es Sachen zu kreieren, am liebsten mit anderen Leuten“

Nadel, Zwirn und I-Phone

Während der Regen gegen die Fenster klatscht, sitzen Luise und ich, Eva aus Berlin und unsere australische Gastgeberin in einem Kreis auf dem Boden der Berliner Altbauwohnung. Es gibt grünen Tee und Schokoladenplätzchen und während wir unter Gosias’ Anleitung Papier schneiden, falten und unter höchster Konzentration zusammennähen, erzählt sie von ihrem Leben in Australien. Davon, wie ihr Freund sie eines Tages mit mysteriösen Botschaften auf Papierschnipseln an einen Ort an der Küste gelotst hat, wie sie bereits auf dem Weg dorthin so ihre Vermutungen hatte und er sie dann bei ihrer Ankunft gefragt hat, ob sie ihn heiraten würde. Gemeinsam beschlossen sie noch mehr von der Welt zu sehen und endeten in Berlin. Ab und zu unterbricht sie ihre Erzählung und wirft einen prüfenden Blick auf das Werk ihrer Gäste. “Ihr seid gut, ihr braucht mich gar nicht“, stellt sie fest und greift nach ihrem Stopfzeug “dann stopfe ich ein paar Löcher in meinen Strumpfhosen.“

Es ist eine Szene, wie aus einem Jane Austen Roman, vier Freundinnen die bei Tee und Keksen ihren Handwerksarbeiten nachgehen und Klatsch und Tratsch austauschen. Nur Gosias Stirnband, ihr modischer Oversize Pulli, Luises pinke Fingernägel, die American Apparel Leggins und die ab und zu klingelnden I-Phones erinnern daran, dass sich die Szene gut 200 Jahre später abspielt.


Die Buchseiten sind genäht und der Leim, der die Seiten und den Buchdeckel zusammen hält, trocknet noch, als es an der Tür klingelt. Erschrocken guckt die Gastgeberin hoch “Wie spät ist es?“ Die nächste lernwütige Gruppe steht vor der Tür, sie kommen zum Eierfärben.

 

Infos zum Buchbinden

Die Tour ist buchbar über gidsy.com

Kosten: 15 Euro pro Person
Dauer: ca. 3 Stunden
Teilnehmer: min. 2
Für aktuelle Termine, die Website checken.

 

drivenow

Bei FluxFM im Studio



 

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